News

Borussia Dortmund: So wollte der mutmaßliche Attentäter Sergej W. Gewinne machen

April 21, 2017


Der mutmaßliche BVB-Attentäter Sergej W. hat offenbar nicht aus politischen oder religiösen Motiven gehandelt. Es war die Gier nach Geld, die ihn antrieb. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft soll W. an der Börse mit Optionsscheinen auf einen drastischen Kursverlust der Borussia-Dortmund-Aktie gewettet haben. Die Wette platzierte er offenbar aus dem Dortmunder Mannschaftshotel L’Arrivée, wo er sich ein Zimmer gemietet hatte. Das Geld dafür soll er sich nach SPIEGEL-Informationen durch einen Verbraucherkredit über 40.000 Euro besorgt haben.

Die Bundesanwaltschaft spricht mittlerweile von drei verschiedenen Finanzprodukten, die der mutmaßliche Attentäter gekauft habe, zuvor war konkreter von Optionsscheinen die Rede (So funktionieren Optionsscheine) .

Nach Informationen des SPIEGEL wurden am 11. April, dem Tag des Anschlags, vier Mal 15.000 Put-Optionsscheine auf die BVB-Aktie mit einer Laufzeit bis 16. Juni 2017 gekauft, dazu noch einmal 5000. Es handelt sich dabei um vier verschiedene Produkte der genossenschaftlichen DZ Bank. Insgesamt wurden an diesem Tag also 65.000 solcher Put-Optionen im Volumen von insgesamt rund 7000 Euro gekauft. Im Fall eines Kursabsturzes der BVB-Aktie hätten der oder die Käufer damit mehrere Hunderttausend Euro Gewinn machen können. Ob der mutmaßliche Täter hinter diesen Transaktionen steckt, ist jedoch unklar.

Erfolgreich waren die Geschäfte bisher nicht: Der Kurs der BVB-Aktie sank nach dem Anschlag und dem anschließenden Ausscheiden aus dem Champions-League-Viertelfinale zeitweise auf 5,36 Euro. Das reicht aber bei keinem der vier Optionsscheine aus, um die Gewinnschwelle zu erreichen.

Rund 200.000 Euro Gewinn möglich

Mit Optionsscheinen können Anleger auf steigende oder fallende Kurse von Aktien oder anderen Wertpapieren wetten, und dabei mit vergleichsweise kleinen Einsätzen hohe Gewinne erzielen. Möglich wird das durch die sogenannte Hebelwirkung.

Theoretisch erwirbt der Anleger mit dem Optionsschein das Recht, eine bestimmte Anzahl von Aktien bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem bestimmten, vorher festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen, ohne die Aktien selbst vorher zu besitzen. Er muss dafür nur den vergleichsweise niedrigen Preis für den Optionsschein zahlen, kann im besten Fall aber immens hohe Gewinne machen, wenn sich der Aktienkurs so entwickelt, wie von ihm erhofft.

Man unterscheidet dabei zwischen Wetten auf steigende Kurse, sogenannte Calls, und solchen auf fallende Kurse, sogenannte Puts.

Im konkreten Fall wurden zum Beispiel 15.000 Put-Optionsscheine auf die BVB-Aktie mit einem Basispreis von 4,80 Euro gekauft. Das bedeutet: Der Käufer sicherte sich das Recht, die BVB-Aktie bis zum 16. Juni zu diesem vereinbarten Preis verkaufen zu dürfen, unabhängig vom tatsächlichen Tageskurs.

Rund 200.000 Euro Gewinn möglich

Die Wette wäre aufgegangen, wenn bei einem geglückten Bombenanschlag der Kurs der BVB-Aktie massiv eingebrochen wäre. Dann hätte der Käufer nämlich einen Gewinn gemacht, der sich aus der Differenz zwischen dem zugesicherten Verkaufswert und dem aktuellen Preis an der Börse ergibt.

Wäre der Kurs beispielsweise auf einen Stand von 1,00 Euro eingebrochen, hätte der Käufer pro Schein einen Gewinn von 3,80 Euro eingestrichen – abzüglich des Einsatzes für den Optionsschein, je 12 Cent. Bei einem Volumen von 15.000 Scheinen, hätte das in diesem konkreten Fall ein Gesamtgewinn von rund 55.000 Euro bedeutet – bei einem Einsatz von 1800 Euro.

Ähnlich hätte die Wette mit den drei anderen Optionsscheinprodukten funktioniert, von denen am fraglichen Tag ebenfalls je 15.000 Stück gekauft wurden. Bei einem Kurssturz auf einen Euro wäre so ein Gewinn von insgesamt gut 200.000 Euro möglich gewesen.

Den finanziellen Verlust hätte in diesem Fall die DZ Bank gehabt, die die Optionsscheine als Emittent an Anleger verkauft: Denn der Verkäufer des Optionsscheins trägt das Risiko die eingegangene Verpflichtung zu erfüllen – er muss die Summe also an den Anleger auszahlen.

Auffälligkeiten gibt es beim Handel mit Optionsscheinen immer wieder – die Möglichkeit, mit großem Gewinnhebel auf steigende oder fallende Kurse zu wetten, zieht nicht nur Zocker sondern auch Insider an, die mit ihrem Wissen – etwa über bevorstehende Fusionen oder Übernahmen – illegal Geschäfte machen wollen.

Die Banken und auch die Aufsichtsbehörden schauen sich auffällige Bewegungen im Handel mit Optionsscheinen deshalb genau an. Die Gefahr entdeckt zu werden, ist relativ groß.

Source link

You Might Also Like