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GDL: Manfred Schell nach Rauswurf über Claus Weselsky – Interview

September 1, 2015

SPIEGEL ONLINE: Herr Schell, Sie sind nach 44 Jahren Mitgliedschaft aus der Lokführergewerkschaft GDL ausgeschlossen worden, weil Sie angeblich Ihre Beiträge nicht gezahlt haben. Warum machen Sie so etwas?

Schell: Das ist totaler Quatsch und eine Irreführung der Öffentlichkeit. Es geht überhaupt nicht um Mitgliedsbeiträge. Natürlich war das so etwas wie späte Rache für meine Kritik am GDL-Vorsitzenden Claus Weselsky. Die neben mir Ausgeschlossenen Volker Siewke, Dieter Kowalsky und ich haben alle Mitgliedsbeiträge bis zur Stunde gezahlt. Meine zwölf Euro pro Monat gehen automatisch von meinem Konto ab. Es geht ausschließlich um Sonderbeiträge für Tätigkeiten außerhalb der GDL, die die Generalversammlung 2012 beschlossen hat zu erheben.

SPIEGEL ONLINE: Um was für Summen handelt es sich denn?

Schell: In meinem Fall geht es um stolze 3170 Euro.

Zur Person

  • DPA



    Manfred Schell, Jahrgang 1943, hat fast 20 Jahre lang die Lokführergewerkschaft GDL angeführt. Bekannt wurde der Pfeifenraucher vor allem im ersten großen Arbeitskampf gegen die Deutsche Bahn ab 2007, bei dem die Lokführer einen eigenen Tarifvertrag erwirkten. Aus Protest gegen den Führungsstil seines Nachfolgers Claus Weselsky hatte Schell 2013 den GDL-Ehrenvorsitz niedergelegt.

SPIEGEL ONLINE: Wofür sind diese Sonderbeiträge da?

Schell: Sie sollen angeblich dazu da sein, die zahlenden Mitglieder zu schulen. Bis heute hat aber noch keine Schulung der mit den Sonderbeiträgen belasteten Zahlenden stattgefunden.

SPIEGEL ONLINE: Deshalb weigern Sie sich, die Beiträge zu zahlen? Sie verstoßen damit ja gegen die Satzung und geben dem GDL-Vorstand einen Grund, Sie auszuschließen.

Schell: Ich weigere mich nicht. Ich habe den Vorsitzenden allerdings mehrfach angeschrieben, um zu erfahren, was mit den Geldern geschieht. Bis heute habe ich keine Antwort von ihm erhalten, nur Mahnschreiben von der GDL und zuletzt von einem Amtsgericht. Darauf habe ich in einer Antwort reagiert und nun kam urplötzlich der Ausschluss – ohne vorausgegangene Stellungnahme. Die hätte es geben müssen.

SPIEGEL ONLINE: Werden Sie Widerspruch einlegen?

Schell: Erst einmal brauche ich ein formelles Schreiben. Ich habe bislang nur aus der Presse von meinem Ausschluss gehört. Aber natürlich werde ich über kurz oder lang Widerspruch beim Hauptvorstand einlegen. Allerdings bin ich felsenfest davon überzeugt, dass die Vasallentreue des Hauptvorstandes dem Begehren des geschäftsführenden Vorstands entspricht und man meinen Widerspruch verwirft. Dann werde ich zivilrechtlich gegen den Ausschluss vorgehen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben Weselskys Führungsstil mit dem von Diktatoren wie Assad oder Mao verglichen. Das ging ein bisschen weit, oder?

Schell: Keineswegs! Der Ausschluss von mir und anderen belegt doch gerade Weselskys Stil: Kritik wird nicht angehört, sondern verfolgt. Das wird sich natürlich irgendwann in der gesamten GDL niederschlagen. Aber ganz dumm ist Weselsky ja nicht: Er hält sich bei den kritischen Punkten bedeckt und versteckt sich hinter Beschlüssen des gesamten Hauptvorstands. Das hat er bei den Tarifverhandlungen gemacht und so verhält er sich auch jetzt. Damit kann er sich noch eine Weile über Wasser halten.

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