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Schwangerschafts-Yoga: Herrlich zum Kräftigen, Dehnen und Entspannen

July 17, 2017


Es riecht nach Räucherstäbchen, im Hintergrund läuft sphärige Entspannungsmusik – und von meiner Stirn tropft der Angstschweiß auf die Yogamatte.

Schwangerschafts-Yoga ist eine herrliche, wenn auch teils grausame Erfindung. Ein Haufen Frauen mit Bauchrundungen verschiedenster Ausbeulungsstufen trifft sich, um die Übungen einer meist gertenschlanken Yoga-Lehrerin nachzuturnen – möglichst ohne umzufallen. Stichwort: veränderter Körperschwerpunkt.

Doch wie schlau ist es, so viele Verdauungsprobleme in einem Raum zu ballen? Zu Beginn der Schwangerschaft bringen Hormone die Gedärme in Aufruhr. Später ist schlichtweg kein Platz mehr im Bauch für die ungestörte Verarbeitung des Mittagessens. Beste Voraussetzungen für gasige Katastrophen.

Die jedoch müssen für das größere Wohl ignoriert werden. Yoga soll schließlich all das bewirken, was der schwangere Körper braucht: kräftigen, dehnen, entspannen – und auf die Geburt vorbereiten.

“Durch die yogische Atmung und das Dehnen der Muskeln erlangt die schwangere Frau mehr Körperbewusstsein und Kontrolle über ihre Muskeln, auf die sie in der Geburt zurückgreifen kann”, schreibt der Arbeitskreis Sport und Schwangerschaft der Deutschen Sporthochschule Köln. “Viele der Haltungen im Yoga ähneln denen, die Schwangere in den Wehen instinktiv einnehmen.”

Schwangerschafts-Yoga ist herausfordernd, vor allem für den Kopf

Los geht’s. Sonst bin ich eher Typ Läuferin, aber Joggen klappt in der Schwangerschaft bei mir nicht ganz so gut – man kann auch sagen: gar nicht. Also Yoga. Ich bin heiß auf die Übungen, die meine weiblichen Urkräfte wecken sollen – hoffentlich ohne allzu viel esoterisches Schali-Schala und dreistimmigen Kehlkopfgesang.





Josephine Neubert

Entspannt atmen beim Schwangerschafts-Yoga

Schon in der ersten Stunde lerne ich, wie herausfordernd Schwangerschafts-Yoga ist, vor allem für den Kopf. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich das Gefühl, einen verdammt flachen Bauch zu besitzen. Es ist allerdings nicht ansatzweise so cool, wie ich es mir gewünscht hätte. Im Gegenteil. Statt mich meiner vergleichsweise schlanken Taille zu erfreuen, fühle ich mich schäbig, unwürdig, wie eine Betrügerin.

Wo ich auch hinsehe befinden sich Kugeln, das reinste Bällebad. Beim Gang zur letzten freien Matte drücke ich mich ins Hohlkreuz und schiebe die Plauze raus, so weit es geht. Keine Chance. Mein Bauch ist mit Abstand der kleinste. Wie das Mädchen in der 9. Klasse, dem als letztes Oberweite wächst, setze ich mich verschämt auf meinen Platz. Vielleicht sollte ich beim nächsten Mal ein Sofakissen unter dem Top verstecken.

“Arschmalerei” lockert die Wirbelsäule

In der zweiten Stunde habe ich mich ein wenig an mein bauchloses Schicksal gewöhnt. Frei von Schwangerschafts-Hochstapler-Gefühlen versuche ich, mich dem Flow hinzugeben. Im Vierfüßlerstand, also auf den Knien und Händen, sollen wir unsere Hüften intuitiv kreisen lassen. Die Hilfestellung der Trainerin: “Stellt euch vor, ihr hättet am Steißbein einen Pinsel und würdet damit Kreise in die Luft zeichnen.”

Tatsächlich hilft die “Arschmalerei”, wie eine Kursteilnehmerin die Übung umtauft, unglaublich dabei, die Wirbelsäule zu lockern und entspannen. Was sich allerdings noch immer nicht recht entspannen will, ist mein Kopf.

Die Füße und Hände am Boden, den Hintern in die Höhe gereckt und die imaginäre Mini-Kugel am Oberschenkeln angedockt, verharre ich im herabschauenden Hund. Meine Gedanken wandern zur netten Dame hinter mir. Ich hoffe, sie unterhält sich auch “danach” noch mit mir über das Wetter und das Klavierspiel der Nachbarn über dem Yoga-Studio. Denn es wird passieren. Unaufhaltsam windet sich das übelriechende Unheil durch meinen Darm.

Der Pups ist raus

Der Pups kommt gewiss. Die Frage ist nur: Wann? Doch das Wunder geschieht: Die Pose wird aufgelöst, bevor es so weit ist. Als nächstes sollen wir einen rückenschonenden Kissenberg für Shavasana, die Schlussentspannung, aufbauen. Ich nutze die Unterbrechung, um aufzuspringen und zur Toilette zu sprinten. Nicht alleine.

An der Tür pralle ich in meiner blinden Hast mit zwei anderen Kursteilnehmerinnen zusammen. Plötzlich donnert es durch den Raum. Der Pups ist raus. Und nicht nur meiner. Es ist eine regelrechte Symphonie. Erst herrscht betretene Stille – doch dann folgt atemloses, glucksendes Gelächter. Ich fühle mich endlich frei und entspannt. Herrlich dieses Yoga.

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