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Symbolfotografie: Riesenrad im Kirchenfenster – SPIEGEL ONLINE

March 26, 2017



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Gregor Boos/ fokussiert.com

Gregor Boos aus Lübeck schreibt zu diesem Bild:

Das Bild zeigt den Blick auf das Riesenrad, das zum Weihnachtsmarkt in Lübeck auf dem Koberg aufgebaut war, durch das Fenster des Heilig-Geist-Hospitals. In Heilig-Geist war zu der Zeit auch ein Weihnachtsmarkt, und ich hatte nur mein Telefon zum Fotografieren dabei. Die Fenster beginnen in mehr als drei Metern Höhe, so dass ich nachträglich die stürzenden Linien entfernt und das Bild so beschnitten habe, dass man nicht mehr die Stände der Händler unterhalb des Fensters sieht.

Die “fokussiert”-Bildkritik:

Die beste Kamera ist die, die man dabeihat. Was ist dazu noch mehr zu sagen? Eigentlich nur, dass es erstaunlich ist, wie toll Sie das hinbekommen haben.

Wir sehen nur das Endprodukt: Eine Farbfotografie, die einen schwarzen Vordergrund hat, aus dem ein Ausschnitt im Format eines romanisch/gotischen Kirchenfensters mit diagonal-Gittern ein Stück blauen Himmels zeigt. In der rechten Hälfte ist ein exakt rechtwinklig zum Betrachter stehendes Riesenrad mit bunten Kabinen zu erkennen ist. Das wird es schwierig, abzuschätzen, was genau Sie noch verbessert haben.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass das wohl das Maximum dessen ist, was aus der Smartphone-Kamera herausgeholt werden konnte. Dabei stelle ich mir vor, dass die vermeintliche Gegenlicht-Situation die Kamera zu einer sehr abenteuerlichen Belichtungsmessung bewegt hat, die Sie wohl mit der Belichtungskorrektur herabkorrigiert haben.

Der zweite Punkt, der mich beschäftigt hat, noch bevor ich gesehen habe, dass das eine Handy-Fotografie ist, war die Schärfe: Mit der Spiegelreflex hätte sich mir hier die Frage gestellt, ob ich auf das Riesenrad oder auf den Fensterausschnitt scharf stelle. Hierbei kam Ihnen vielleicht die durchgehende Schärfentiefe zugute, welche die winzigen Sensoren in Smartphones meistens liefern. Physikalisch ist eigentlich gar nichts anderes möglich. Eine Begrenzung der Schärfentiefe, wie bei einer Kleinbildkamera, müsste elektronisch simuliert oder mit einer Lichtfeld-Kamera wie der Lytro Illum erstellt werden. Damit erübrigt sich die Frage, und Sie konnten einigermaßen sicher auf das Fenster scharf stellen.

Jedenfalls kann man zum Motiv und zur Komposition sagen, dass beides fasziniert. Und dass man solche Motive überhaupt erst erkennen und eines Fotos würdig erachten muss. Das haben Sie hier getan und werden mit einem starken Foto belohnt: Kirchenfenster sind typischerweise und vor allem im Barock sehr bunte Gläser. Das hier ist ein Fenster im romanisch/gotischen Stil, das keine Farbe aufweist. Außer derjenigen der bunten Ferris-Wheel-Kabinen.

Darin liegt wiederum eine ebenso klare wie simple Aussage: Die Buntheit des säkularen oder hedonistischen Vergnügungslebens blitzt durch den strengen Bogen der kirchlichen Weltsicht herein und verleiht ihr Farbe. Dass das Riesenrad auch noch genau rechtwinklig zu diesem Fenster stand, ist fast schon unglaublich. Auch, dass Wetter und Licht mitgespielt haben, ist ein großer Glücksfall.

Ich würde mir dieses Motiv jedenfalls merken, wenn es eine Chance gibt, dass es sich wiederholt und ich mit der Spiegelreflex vor Ort sein könnte, würde ich dieses Bild mit einer höheren Auflösung wiederholen.

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